Wissen · SAP Basis

Technische Tabellen aufräumen: SAP-Housekeeping für Produktion und Kopien

Anwendungs-Logs, IDocs, Workitems und Protokolle wachsen in vielen SAP-Systemen jahrelang, ohne dass sie jemand braucht. In SAP HANA belegt dieser Ballast Hauptspeicher, in der Produktion und oft auch in jeder Kopie. Hier lesen Sie, welche technischen Tabellen typisch sind, mit welchen Standard-Reports und Housekeeping-Jobs Sie sie bereinigen und wo Löschen nicht genügt.

Stand: 7. Oktober 2026 · Von Tobias Foltermann, Gründer

Warum technische SAP-Tabellen wachsen

Technische Tabellen speichern, was das System für Kommunikation, Protokollierung, Verwaltung und Analyse schreibt: Schnittstellen-Nachrichten, Logs, Jobprotokolle, Spool-Aufträge. Für das Tagesgeschäft braucht sie nach kurzer Zeit kaum jemand. Aus der Datenbank verschwinden sie aber nur, wenn ein Job sie regelmäßig löscht oder archiviert.

SAP beschreibt das Problem seit Langem in SAP-Hinweis 706478: Verwaltungstabellen der Basis wachsen stark, wenn nicht mehr benötigte Einträge nicht regelmäßig gelöscht oder archiviert werden oder die Konfiguration nicht stimmt. Genannt werden unter anderem Anwendungs-Logs, IDocs, Workitems, Änderungszeiger und Tabellenprotokolle. Eine laufend gepflegte Übersicht mit Tabellen, zuständigen Bereichen, SAP-Hinweisen und Bereinigungswegen bietet SAP-Hinweis 2388483.

In SAP HANA wiegt das schwerer als früher. Weniger Daten bedeuten dort weniger Hauptspeicher, CPU und Plattenplatz. Und weil QS-, Test- und Sandbox-Systeme meist Kopien der Produktion sind, zahlt jedes davon für den Ballast noch einmal. Mehr dazu auf der Seite HANA-Speicher in QS, Test und Sandbox senken.

Die größten Tabellen finden

Messen Sie, bevor Sie bereinigen. Die größten Tabellen zeigt die Transaktion DB02. Für SAP HANA liefert auch der Sizing-Report /SDF/HDB_SIZING eine Übersicht (SAP-Hinweis 1872170). Gleichen Sie die Liste mit SAP-Hinweis 2388483 ab: Er nennt zu jeder technischen Tabelle die passenden SAP-Hinweise und den Bereinigungsweg. SAP selbst empfiehlt dieses Vorgehen als schnellen Gewinn, lange bevor ein vollständiges Archivierungsprojekt Wirkung zeigt.

Schauen Sie dabei nicht nur auf die Größe, sondern auch auf das Alter der Einträge. Eine IDoc-Tabelle mit den Nachrichten der letzten Wochen ist normal. Eine mit zehn Jahren Historie zeigt, dass ein Job fehlt oder die Frist nicht passt.

Typische Kandidaten und wie Sie sie bereinigen

Die folgende Auswahl stützt sich auf die SAP-Hinweise 706478 und 2388483. Welche Tabellen in Ihrem System auffallen, hängt von Schnittstellen, Workflows und eigenen Entwicklungen ab.

BereichTabellen (Auswahl)WerkzeugVorgehen
Anwendungs-LogBALHDR, BALDATSLG2 bzw. Report SBAL_DELETE, Archivierung über BC_SBALLöschen nach Verfallsdatum
IDocsEDIDC, EDID4, EDIDSArchivierungsobjekt IDOC (SARA), WE11 (RSETESTD) löscht ohne ArchivArchivieren oder nach Abstimmung löschen
WorkflowSWWWIHEAD, SWWLOGHIST, SWWCNTP0Archivierungsobjekt WORKITEM, RSWWWIDE nicht in der ProduktionArchivieren
Änderungszeiger (ALE)BDCP2, BDCP, BDCPSTransaktion BD22Verarbeitete und veraltete löschen
TabellenprotokolleDBTABLOGSCU3, Report RSTBPDELMit der Revision abstimmen
ÄnderungsbelegeCDHDR, CDPOSArchivierungsobjekte der Anwendung bzw. CHANGEDOCUFachlich relevant, nur nach Abstimmung
SpoolTSP01RSPO0041 bzw. RSPO1041Löschen nach Frist
HintergrundjobsTBTCO, TBTCPRSBTCDEL2Löschen nach Frist

SAP-Basis-Housekeeping-Jobs einrichten

Die Grundreinigung erledigen Standardjobs. Laut SAP-Hilfe sollten sie in jedem produktiven System regelmäßig laufen. Die wichtigsten Reorganisationsjobs:

JobReportAufgabe
SAP_REORG_JOBSRSBTCDEL2löscht veraltete Hintergrundjobs
SAP_REORG_SPOOLRSPO0041löscht veraltete Spool-Daten
SAP_REORG_ABAPDUMPSRSSNAPDLlöscht veraltete ABAP-Kurzdumps
SAP_REORG_BATCHINPUTRSBDCREOlöscht veraltete Batch-Input-Mappen
SAP_REORG_UPDATERECORDSRSM13002löscht veraltete Verbuchungsaufträge
SAP_REORG_JOBSTATISTICRSBPSTDElöscht veraltete Daten der Job-Laufzeitstatistik

Für Spool-Aufträge bietet der Report RSPO1041 mehr Auswahlmöglichkeiten als RSPO0041 und ist als dessen Ersatz gedacht (SAP-Hinweis 130978).

In SAP S/4HANA ist die Funktion „Standardjobs“ in SM36 für technische Jobs abgelöst. Das technische Job-Repository plant sie automatisch ein. In der Transaktion SJOBREPO sehen Sie, welche Jobdefinitionen SAP ausliefert und einplant, und können sie in Grenzen ändern oder deaktivieren (SAP-Hinweis 2190119). Welche Jobs enthalten sind, hängt vom Release ab.

Prüfen Sie deshalb in jedem System drei Dinge: Laufen die Jobs tatsächlich, mit welchen Fristen arbeiten ihre Varianten, und was fehlt? Die Reorganisationsjobs oben betreffen die Basis-Verwaltung. Für Anwendungs-Logs, IDocs, Workitems und Änderungszeiger prüfen Sie, ob ein Job existiert, und planen ihn sonst mit eigener Variante ein. Anwendungs-Logs etwa löscht der Report SBAL_DELETE, den Sie über SLG2 im Hintergrund einplanen können. Gelöscht werden nur verfallene Protokolle, es sei denn, ein Protokoll ist zum Löschen vor Verfall freigegeben.

Löschen, archivieren oder abstimmen

Nicht jede technische Tabelle darf einfach geleert werden. Drei Fälle lassen sich unterscheiden.

  • Reines Löschen: Spool-Aufträge, Jobprotokolle, Kurzdumps, alte Batch-Input-Mappen, verarbeitete Änderungszeiger und verfallene Anwendungs-Logs verlieren nach einer Frist ihren Wert. Hier genügen die Lösch-Reports. Die Frist legen Sie einmal fest, gemeinsam mit denen, die Fehler analysieren.
  • Archivieren: Workitems löschen Sie in produktiven Systemen über die Archivverwaltung mit dem Archivierungsobjekt WORKITEM. Der Report RSWWWIDE löscht ohne Archiv und soll laut SAP dort nicht verwendet werden. IDocs können Nachweise zu Geschäftsvorfällen sein. Sie archivieren sie über das Objekt IDOC, nachdem Sie in WE47 festgelegt haben, welche Status archivierbar sind. Anwendungs-Logs mit Aufbewahrungsbedarf gehen über BC_SBAL ins Archiv.
  • Fachlich abstimmen: Änderungsbelege (CDHDR, CDPOS) halten fest, wer wann welches Feld geändert hat. Anwendungen schreiben sie aus gesetzlichen oder technischen Gründen, manche müssen lange aufbewahrt werden. Sie gehören ins Archivierungskonzept, nicht in einen Housekeeping-Job. Ähnliches gilt für Tabellenprotokolle (DBTABLOG), die Änderungen an protokollierten Tabellen festhalten, vor allem im Customizing. Hier entscheiden Fachbereich und Revision.

Fristen klären. Wie lange Daten aufbewahrt werden müssen, ergibt sich aus Gesetz, Verträgen und internen Vorgaben. Klären Sie das vor dem ersten Löschlauf mit Fachbereich, Revision und Datenschutz. Dieser Artikel ersetzt keine rechtliche Prüfung.

Was Housekeeping für jede Kopie bedeutet

Was in der Produktion bereinigt ist, landet in keiner Kopie mehr. Eine Systemkopie überträgt die ganze Datenbank, hier wirkt jede Bereinigung. Eine Mandantenkopie überträgt die mandantenabhängigen Tabellen, darunter IDocs, Workitems, Änderungszeiger und Änderungsbelege. Weniger Einträge dort bedeuten eine kürzere Kopie und ein kleineres Zielsystem.

Wie stark die Datenmenge die Laufzeit bestimmt, zeigt der Artikel Mandantenkopie beschleunigen. Die Grundlagen von den Transaktionen bis zu den Nacharbeiten stehen im Artikel SAP-Mandantenkopie.

Housekeeping ersetzt keine Archivierung. Es betrifft technische Daten. Belege, Buchungen und Stammdaten bleiben unberührt. Wie Sie das Volumen der Anwendungsdaten dauerhaft senken, beschreibt der Artikel SAP-Archivierung in S/4HANA.

Ballast gar nicht erst kopieren

Housekeeping verkleinert die Quelle. Für die Kopie gibt es einen zweiten Hebel: Tabellen, die im Testsystem niemand braucht, gar nicht erst zu übertragen. Der Data Refresh Operator schließt sie über Ausnahmelisten bis auf Tabellenebene aus. Anwendungsdaten kopiert DRO als Zeitscheibe, etwa die letzten 90 Tage, plus alle abhängigen Objekte aus älteren Jahren. Die Systemvermessung im Control-System zeigt die Datenbankgrößen aller verbundenen Systeme und damit, wo sich Bereinigen und Ausschließen lohnt. DRO läuft ab SAP S/4HANA 2023.

–75 %
HANA-RAM in Non-Prod
–60 %
Storage & Backup

Richtwerte aus Referenzszenarien. Die tatsächlichen Effekte hängen von Systemgröße, Historie und Refresh-Zyklen ab.

Sie möchten Housekeeping als fest definierte Aufgabe abgeben, von der Einrichtung der Jobs bis zur Kontrolle der Fristen? Das übernehmen wir im SAP-Basis-Betrieb.

Quellen

Wie groß sind Ihre Testsysteme?

Im kostenlosen Vorstellungstermin zeigen wir DRO live an Ihren Anwendungsfällen – remote und unverbindlich. Wir besprechen, wo die Vorteile bei Speicher, Refresh-Dauer und Betriebskosten liegen, und wie Sie DRO in Ihrer eigenen Landschaft kennenlernen können.

  • Vorteile konkret für Ihre Anwendungsfälle
  • Live-Einblick in Zeitscheibe, Abhängigkeitsauflösung, Export und Import
  • Antworten direkt vom Team hinter DRO

Ihre Angaben nutzen wir ausschließlich zur Terminabstimmung. Details in der Datenschutzerklärung.