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Technische Tabellen aufräumen: SAP-Housekeeping für Produktion und Kopien
Anwendungs-Logs, IDocs, Workitems und Protokolle wachsen in vielen SAP-Systemen jahrelang, ohne dass sie jemand braucht. In SAP HANA belegt dieser Ballast Hauptspeicher, in der Produktion und oft auch in jeder Kopie. Hier lesen Sie, welche technischen Tabellen typisch sind, mit welchen Standard-Reports und Housekeeping-Jobs Sie sie bereinigen und wo Löschen nicht genügt.
Warum technische SAP-Tabellen wachsen
Technische Tabellen speichern, was das System für Kommunikation, Protokollierung, Verwaltung und Analyse schreibt: Schnittstellen-Nachrichten, Logs, Jobprotokolle, Spool-Aufträge. Für das Tagesgeschäft braucht sie nach kurzer Zeit kaum jemand. Aus der Datenbank verschwinden sie aber nur, wenn ein Job sie regelmäßig löscht oder archiviert.
SAP beschreibt das Problem seit Langem in SAP-Hinweis 706478: Verwaltungstabellen der Basis wachsen stark, wenn nicht mehr benötigte Einträge nicht regelmäßig gelöscht oder archiviert werden oder die Konfiguration nicht stimmt. Genannt werden unter anderem Anwendungs-Logs, IDocs, Workitems, Änderungszeiger und Tabellenprotokolle. Eine laufend gepflegte Übersicht mit Tabellen, zuständigen Bereichen, SAP-Hinweisen und Bereinigungswegen bietet SAP-Hinweis 2388483.
In SAP HANA wiegt das schwerer als früher. Weniger Daten bedeuten dort weniger Hauptspeicher, CPU und Plattenplatz. Und weil QS-, Test- und Sandbox-Systeme meist Kopien der Produktion sind, zahlt jedes davon für den Ballast noch einmal. Mehr dazu auf der Seite HANA-Speicher in QS, Test und Sandbox senken.
Die größten Tabellen finden
Messen Sie, bevor Sie bereinigen. Die größten Tabellen zeigt die Transaktion DB02. Für SAP HANA liefert auch der Sizing-Report /SDF/HDB_SIZING eine Übersicht (SAP-Hinweis 1872170). Gleichen Sie die Liste mit SAP-Hinweis 2388483 ab: Er nennt zu jeder technischen Tabelle die passenden SAP-Hinweise und den Bereinigungsweg. SAP selbst empfiehlt dieses Vorgehen als schnellen Gewinn, lange bevor ein vollständiges Archivierungsprojekt Wirkung zeigt.
Schauen Sie dabei nicht nur auf die Größe, sondern auch auf das Alter der Einträge. Eine IDoc-Tabelle mit den Nachrichten der letzten Wochen ist normal. Eine mit zehn Jahren Historie zeigt, dass ein Job fehlt oder die Frist nicht passt.
Typische Kandidaten und wie Sie sie bereinigen
Die folgende Auswahl stützt sich auf die SAP-Hinweise 706478 und 2388483. Welche Tabellen in Ihrem System auffallen, hängt von Schnittstellen, Workflows und eigenen Entwicklungen ab.
| Bereich | Tabellen (Auswahl) | Werkzeug | Vorgehen |
|---|---|---|---|
| Anwendungs-Log | BALHDR, BALDAT | SLG2 bzw. Report SBAL_DELETE, Archivierung über BC_SBAL | Löschen nach Verfallsdatum |
| IDocs | EDIDC, EDID4, EDIDS | Archivierungsobjekt IDOC (SARA), WE11 (RSETESTD) löscht ohne Archiv | Archivieren oder nach Abstimmung löschen |
| Workflow | SWWWIHEAD, SWWLOGHIST, SWWCNTP0 | Archivierungsobjekt WORKITEM, RSWWWIDE nicht in der Produktion | Archivieren |
| Änderungszeiger (ALE) | BDCP2, BDCP, BDCPS | Transaktion BD22 | Verarbeitete und veraltete löschen |
| Tabellenprotokolle | DBTABLOG | SCU3, Report RSTBPDEL | Mit der Revision abstimmen |
| Änderungsbelege | CDHDR, CDPOS | Archivierungsobjekte der Anwendung bzw. CHANGEDOCU | Fachlich relevant, nur nach Abstimmung |
| Spool | TSP01 | RSPO0041 bzw. RSPO1041 | Löschen nach Frist |
| Hintergrundjobs | TBTCO, TBTCP | RSBTCDEL2 | Löschen nach Frist |
SAP-Basis-Housekeeping-Jobs einrichten
Die Grundreinigung erledigen Standardjobs. Laut SAP-Hilfe sollten sie in jedem produktiven System regelmäßig laufen. Die wichtigsten Reorganisationsjobs:
| Job | Report | Aufgabe |
|---|---|---|
SAP_REORG_JOBS | RSBTCDEL2 | löscht veraltete Hintergrundjobs |
SAP_REORG_SPOOL | RSPO0041 | löscht veraltete Spool-Daten |
SAP_REORG_ABAPDUMPS | RSSNAPDL | löscht veraltete ABAP-Kurzdumps |
SAP_REORG_BATCHINPUT | RSBDCREO | löscht veraltete Batch-Input-Mappen |
SAP_REORG_UPDATERECORDS | RSM13002 | löscht veraltete Verbuchungsaufträge |
SAP_REORG_JOBSTATISTIC | RSBPSTDE | löscht veraltete Daten der Job-Laufzeitstatistik |
Für Spool-Aufträge bietet der Report RSPO1041 mehr Auswahlmöglichkeiten als RSPO0041 und ist als dessen Ersatz gedacht (SAP-Hinweis 130978).
In SAP S/4HANA ist die Funktion „Standardjobs“ in SM36 für technische Jobs abgelöst. Das technische Job-Repository plant sie automatisch ein. In der Transaktion SJOBREPO sehen Sie, welche Jobdefinitionen SAP ausliefert und einplant, und können sie in Grenzen ändern oder deaktivieren (SAP-Hinweis 2190119). Welche Jobs enthalten sind, hängt vom Release ab.
Prüfen Sie deshalb in jedem System drei Dinge: Laufen die Jobs tatsächlich, mit welchen Fristen arbeiten ihre Varianten, und was fehlt? Die Reorganisationsjobs oben betreffen die Basis-Verwaltung. Für Anwendungs-Logs, IDocs, Workitems und Änderungszeiger prüfen Sie, ob ein Job existiert, und planen ihn sonst mit eigener Variante ein. Anwendungs-Logs etwa löscht der Report SBAL_DELETE, den Sie über SLG2 im Hintergrund einplanen können. Gelöscht werden nur verfallene Protokolle, es sei denn, ein Protokoll ist zum Löschen vor Verfall freigegeben.
Löschen, archivieren oder abstimmen
Nicht jede technische Tabelle darf einfach geleert werden. Drei Fälle lassen sich unterscheiden.
- Reines Löschen: Spool-Aufträge, Jobprotokolle, Kurzdumps, alte Batch-Input-Mappen, verarbeitete Änderungszeiger und verfallene Anwendungs-Logs verlieren nach einer Frist ihren Wert. Hier genügen die Lösch-Reports. Die Frist legen Sie einmal fest, gemeinsam mit denen, die Fehler analysieren.
- Archivieren: Workitems löschen Sie in produktiven Systemen über die Archivverwaltung mit dem Archivierungsobjekt
WORKITEM. Der ReportRSWWWIDElöscht ohne Archiv und soll laut SAP dort nicht verwendet werden. IDocs können Nachweise zu Geschäftsvorfällen sein. Sie archivieren sie über das ObjektIDOC, nachdem Sie inWE47festgelegt haben, welche Status archivierbar sind. Anwendungs-Logs mit Aufbewahrungsbedarf gehen überBC_SBALins Archiv. - Fachlich abstimmen: Änderungsbelege (
CDHDR,CDPOS) halten fest, wer wann welches Feld geändert hat. Anwendungen schreiben sie aus gesetzlichen oder technischen Gründen, manche müssen lange aufbewahrt werden. Sie gehören ins Archivierungskonzept, nicht in einen Housekeeping-Job. Ähnliches gilt für Tabellenprotokolle (DBTABLOG), die Änderungen an protokollierten Tabellen festhalten, vor allem im Customizing. Hier entscheiden Fachbereich und Revision.
Fristen klären. Wie lange Daten aufbewahrt werden müssen, ergibt sich aus Gesetz, Verträgen und internen Vorgaben. Klären Sie das vor dem ersten Löschlauf mit Fachbereich, Revision und Datenschutz. Dieser Artikel ersetzt keine rechtliche Prüfung.
Was Housekeeping für jede Kopie bedeutet
Was in der Produktion bereinigt ist, landet in keiner Kopie mehr. Eine Systemkopie überträgt die ganze Datenbank, hier wirkt jede Bereinigung. Eine Mandantenkopie überträgt die mandantenabhängigen Tabellen, darunter IDocs, Workitems, Änderungszeiger und Änderungsbelege. Weniger Einträge dort bedeuten eine kürzere Kopie und ein kleineres Zielsystem.
Wie stark die Datenmenge die Laufzeit bestimmt, zeigt der Artikel Mandantenkopie beschleunigen. Die Grundlagen von den Transaktionen bis zu den Nacharbeiten stehen im Artikel SAP-Mandantenkopie.
Housekeeping ersetzt keine Archivierung. Es betrifft technische Daten. Belege, Buchungen und Stammdaten bleiben unberührt. Wie Sie das Volumen der Anwendungsdaten dauerhaft senken, beschreibt der Artikel SAP-Archivierung in S/4HANA.
Ballast gar nicht erst kopieren
Housekeeping verkleinert die Quelle. Für die Kopie gibt es einen zweiten Hebel: Tabellen, die im Testsystem niemand braucht, gar nicht erst zu übertragen. Der Data Refresh Operator schließt sie über Ausnahmelisten bis auf Tabellenebene aus. Anwendungsdaten kopiert DRO als Zeitscheibe, etwa die letzten 90 Tage, plus alle abhängigen Objekte aus älteren Jahren. Die Systemvermessung im Control-System zeigt die Datenbankgrößen aller verbundenen Systeme und damit, wo sich Bereinigen und Ausschließen lohnt. DRO läuft ab SAP S/4HANA 2023.
- –75 %
- HANA-RAM in Non-Prod
- –60 %
- Storage & Backup
Richtwerte aus Referenzszenarien. Die tatsächlichen Effekte hängen von Systemgröße, Historie und Refresh-Zyklen ab.
Sie möchten Housekeeping als fest definierte Aufgabe abgeben, von der Einrichtung der Jobs bis zur Kontrolle der Fristen? Das übernehmen wir im SAP-Basis-Betrieb.
Quellen
- SAP-Hinweis 706478: Preventing Basis tables from increasing considerably (SAP-Support-Portal, Anmeldung nötig)
- SAP-Hinweis 2388483: How-To: Data Management for Technical Tables (SAP-Support-Portal, Anmeldung nötig)
- SAP Community: Data Management for Technical Tables for SAP S/4HANA (SAP-Blog)
- SAP-Hilfe: Standardjobs
- SAP-Hilfe: Protokolle löschen (Anwendungs-Log)
- SAP-Hilfe: Workitem löschen (Report RSWWWIDE)