Wissen · S/4HANA
RAM-Preise vervielfacht: Was das für S/4HANA-Landschaften kostet
Arbeitsspeicher war lange Massenware. Seit Herbst 2025 ist er knapp: KI-Rechenzentren kaufen den Markt leer, und die Vertragspreise haben sich innerhalb weniger Quartale vervielfacht. Für S/4HANA ist das mehr als eine Randnotiz aus dem Hardware-Einkauf. SAP HANA hält die Daten im Hauptspeicher – in der Produktion und in jeder Kopie davon.
Was mit den RAM-Preisen passiert
Das Marktforschungsunternehmen TrendForce veröffentlicht jedes Quartal, wie sich die Vertragspreise entwickeln, die große Abnehmer mit den Speicherherstellern aushandeln. Seit dem vierten Quartal 2025 zeigen diese Werte steil nach oben:
| Quartal | Vertragspreise gegenüber dem Vorquartal | Stand |
|---|---|---|
| 4. Quartal 2025 | Konventioneller DRAM: +45 bis 50 % | Ist-Wert, Februar 2026 |
| 1. Quartal 2026 | Konventioneller DRAM: +55 bis 60 %, Server-DRAM: über +60 % | Prognose, Januar 2026 |
| 2. Quartal 2026 | Konventioneller DRAM: +58 bis 63 % | Prognose, März 2026 |
| 3. Quartal 2026 | Server-DRAM: +13 bis 18 % | Prognose, Juli 2026 |
| 4. Quartal 2026 | Konventioneller DRAM: +10 bis 15 % | Prognose, September 2026 |
Hintereinander gerechnet heißt das: Nach diesen Werten liegt der Vertragspreis für konventionellen DRAM Mitte 2026 beim Drei- bis Vierfachen des Niveaus vom Herbst 2025 (eigene Rechnung). Seitdem steigt er langsamer, aber er steigt weiter.
Bei den Anwendern kommt das bereits an. Der Hoster Hetzner etwa hat zum 1. April 2026 seine Preise erhöht, für Cloud-Server um bis zu 32 Prozent, und das mit stark gestiegenen Einkaufspreisen für Arbeitsspeicher und NVMe-SSDs begründet.
Warum die KI die Preise treibt
Die Speicherhersteller verlagern ihre Fertigung in Produkte für KI-Rechenzentren: High Bandwidth Memory (HBM) für KI-Beschleuniger und Arbeitsspeicher für Server. Die großen US-Cloud-Anbieter sichern sich laut TrendForce seit Ende 2025 Mengen über vorgezogene Bestellungen und langfristige Lieferverträge. Für alle anderen bleibt weniger, zu höheren Preisen.
Ein schnelles Ende ist nicht in Sicht. TrendForce erwartet, dass Server-DRAM auch im vierten Quartal 2026 knapp bleibt, und sieht die Hersteller ihre modernste Fertigung weiter vorrangig für Serverprodukte einsetzen. Bei Enterprise-SSDs rechnet TrendForce mit nennenswert mehr Kapazität erst Ende 2027 oder 2028. Solange der Ausbau der KI-Rechenzentren anhält, sollten Sie nicht mit einer Rückkehr zu den alten Preisen planen.
Warum S/4HANA besonders betroffen ist
SAP HANA ist eine In-Memory-Datenbank: Die Daten liegen im Hauptspeicher. Wie viel RAM ein System braucht, hängt deshalb direkt davon ab, wie viele Daten es enthält. Früher lag die Historie auf vergleichsweise günstigen Festplatten. Heute belegt sie genau die Komponente, deren Preis sich gerade vervielfacht.
Dazu kommt die Landschaft. Neben der Produktion stehen meist ein QS-, ein Test- oder Entwicklungs- und ein Sandbox-System, oft weitere für Projekte oder Schulungen. Werden sie per Mandanten- oder Systemkopie aus der Produktion befüllt, bekommt jedes die volle Historie und braucht fast so viel Hauptspeicher wie die Produktion.
Vereinfachtes Beispiel. Die Produktion hält 4 TB Daten im Hauptspeicher. QS, Test und Sandbox sind Vollkopien. Zusammen sind das rund 16 TB – drei Viertel davon in Systemen, in denen niemand produktiv arbeitet.
Ob die Systeme im eigenen Rechenzentrum, bei einem Hoster oder in der Cloud laufen: Spätestens bei der nächsten Hardware-Erneuerung, Speichererweiterung oder Vertragsverlängerung schlagen die neuen Marktpreise durch, direkt über die Hardware oder über die Preise der Anbieter. Kosten, die bisher kaum jemand auf dem Schirm hatte, werden zum Thema für Budget und Einkauf.
Ansatz 1: die Produktion verkleinern
Der naheliegende Hebel ist die Produktion selbst. Weniger Daten dort bedeuten weniger Hauptspeicher dort – und in jeder Vollkopie.
- SAP-Archivierung: Abgeschlossene Geschäftsvorfälle werden aus der Datenbank in Archivdateien ausgelagert und bleiben bei Bedarf lesbar.
- Data Aging und Native Storage Extension: Selten genutzte Daten wandern aus dem Hauptspeicher auf günstigeren Plattenspeicher und bleiben dabei in der Datenbank.
- Technische Tabellen aufräumen: Protokolle, IDocs, Workflow- und Anwendungslogs wachsen oft unbemerkt und lassen sich regelmäßig bereinigen.
Das wirkt dauerhaft, hat aber Grenzen. Archivierung ist ein eigenes Projekt mit fachlichen Abstimmungen, Aufbewahrungsfristen und Zugriffsfragen. Und was für den laufenden Betrieb, das Reporting oder gesetzliche Pflichten gebraucht wird, bleibt in der Produktion.
Ansatz 2: Non-Prod nach Zweck dimensionieren
Wo die Produktion nicht weiter schrumpfen kann, liegt der größere Hebel bei den anderen Systemen. Ein QS- oder Testsystem ist pro Gigabyte oft günstiger als die Produktion, etwa weil es ohne Hochverfügbarkeit auskommt. In der Summe kostet es trotzdem viel Geld: Im Beispiel oben stecken drei Viertel des gesamten Hauptspeichers in diesen Systemen.
Für Tests, Releases und Support zählen meist die letzten Monate. Kopiert werden trotzdem Jahre bis Jahrzehnte, weil die Standard-Mandantenkopie keinen Zeitraum kennt.
Der Data Refresh Operator kopiert stattdessen eine Zeitscheibe, zum Beispiel die letzten 90 Tage, und ergänzt automatisch alle abhängigen Objekte aus älteren Jahren, bis nachweisbar nichts mehr fehlt. Die Zielsysteme sind fachlich lauffähig und nur so groß wie nötig. Die Produktion bleibt unverändert.
- –75 %
- HANA-RAM in Non-Prod
- –60 %
- Storage & Backup
Richtwerte aus Referenzszenarien. Die tatsächlichen Effekte hängen von Systemgröße, Historie und Refresh-Zyklen ab.
Im Beispiel oben hieße das: Statt 12 TB für QS, Test und Sandbox reichen rund 3 TB. Die Landschaft braucht dann 7 statt 16 TB Hauptspeicher. Und weil kleinere Kopien schneller laufen, lassen sich die Systeme häufiger auffrischen. Mehr zum HANA-Speicher in Non-Prod
QS, Test und Sandbox als Vollkopien16 TB
QS, Test und Sandbox als Zeitscheiben7 TB
Was Sie jetzt tun können
- Hauptspeicher aller Systeme erfassen: die Produktion und jede Kopie davon
- Termine prüfen: Wann stehen Hardware-Erneuerung, Speichererweiterung oder Vertragsverlängerung an?
- Potenzial für Archivierung und Aufräumen in der Produktion bewerten
- Für jedes Non-Prod-System festlegen, welcher Zeitraum für Tests wirklich gebraucht wird
- Refreshs auf Zeitscheiben umstellen, bevor die nächste Erweiterung fällig wird
Was das für Ihre Landschaft bedeutet, rechnen wir gern mit Ihnen durch: Vorstellungstermin vereinbaren.
Quellen
- TrendForce, 26.02.2026: Price Rally Drives 4Q25 DRAM Revenue Up 29.4%
- TrendForce, 05.01.2026: Memory Makers Prioritize Server Applications, Driving Across-the-Board Price Increases in 1Q26
- TrendForce, 31.03.2026: AI Server Demand to Drive Memory Contract Price Increases in 2Q26
- TrendForce, 09.07.2026: Server DRAM Contract Prices Expected to Rise 13–18% QoQ in 3Q26
- TrendForce, 30.09.2026: AI Server Demand Sustains Memory Contract Price Increases in 4Q26
- WinFuture, 23.02.2026: Bis zu 32 Prozent mehr: Hetzner Online hebt Hosting-Preise in Kürze an